Türkis

Türkis
Chemismus Cu(Al,Fe)6(PO4)4(OH)8 · 4 H2O
Mineralklasse Wasserhaltige Phosphate mit fremden Anionen
VII/D.15-40 (nach Strunz)
42.9.3.1 (nach Dana)
Kristallsystem triklin
Kristallklasse triklin-pinakoidal
Farbe blau, blau-grün, grün
Strichfarbe grünlichweiß
Mohshärte 5 bis 6
Dichte (g/cm³) 2,6 bis 2,9
Glanz Wachsglanz, matt
Transparenz durchsichtig bis undurchsichtig
Bruch muschelig, uneben
Spaltbarkeit gut nach {010}, vollkommen nach {001}
Habitus kleine, prismatische bis nadelige Kristalle; traubige, massige Aggregate
häufige Kristallflächen
Zwillingsbildung keine
Kristalloptik
Brechzahl
α=1,610 β=1,615 γ=1,650
Doppelbrechung
(optische Orientierung)
Δ=0,040 ; zweiachsig positiv
Pleochroismus
schwach, farblos-hellblau-hellgrün
Winkel/Dispersion
der optischen Achsen
2vz ~ 40°
weitere Eigenschaften
Phasenumwandlungen
Schmelzpunkt
chemisches Verhalten löslich in erhitzter Salzsäure
ähnliche Minerale Amazonit, Chrysokoll, Hemimorphit, Lazulith, Serpentin, Variscit
Radioaktivität nicht radioaktiv
Magnetismus nicht magnetisch
besondere Kennzeichen grüne Fluoreszenz bei langwelligem UV-Licht
Bilder


Geschichte


Das Wort „Türkis“ leitet sich ab dem frühen 15. Jahrhundert vom französischen Wort pierre turquoise „türkischer Stein“ ab. Diese Wortschöpfung beruht jedoch auf einem Missverständnis, denn Türkis wurde damals lediglich aus dem Gebiet des heutigen Iran in die Türkei importiert und dort gehandelt.

Weitere Synonyme für Türkis sind Bisbee Blue (nach seinem Fundort Bisbee/Arizona); Calait, Chalchit, Chalchuit bzw. Kal(l)ait, wobei diese Bezeichnung (griechisch für „schöner Stein“ nach Plinius) veraltet und kaum noch im Gebrauch ist. Die irreführende Bezeichnung Eilat-Stein steht dagegen für den Chrysokoll.

Bildung und Fundorte


Das Mineral Türkis ist ein eher selten vorkommendes, wasserhaltiges Kupfer-Aluminium-Phosphat mit der chemischen Zusammensetzung
CuAl6(PO4)4(OH)8 · 4 H2O. Anstelle von Aluminium kann Eisen als Fe3+ in die Kristallstruktur eingebaut werden (Diadochie), daher wird die chemische Formel auch oft als Cu(Al,Fe)6(PO4)4(OH)8 · 4 H2O angegeben.

Türkis kristallisiert im triklinen Kristallsystem und entwickelt meist traubenförmige oder erdig massige Aggregate. Mit dem bloßen Auge sichtbare Kristalle sind sehr selten und dann nur wenige Millimeter groß mit prismatischem bis nadeligem Habitus. Seiner charakteristischen blaugrünen Farbe verdankt die Farbe Türkis ihren Namen. Türkis gehört zur Mineralklasse der Phosphate, Arsenate und Vanadate und darin zur Abteilung der wasserhaltigen Phosphate mit fremden Anionen. Hierin ist es das namensgebende Mineral einer Gruppe von Mineralen mit gleicher Struktur aber unterschiedlicher Zusammensetzung (Türkisgruppe).

Reine Türkise erreichen eine maximale Mohshärte von knapp unter 6, was in etwa der Härte von Fensterglas entspricht. Je geringer die Härte ist, desto geringer ist auch die relative Dichte, die von 2,60 bis 2,90 g/cm³ reicht, und desto größer ist auch seine Porosität. Diese Eigenschaften hängen von der Größe des Steins ab. Der Türkis besitzt normalerweise einen wachsartigen Glanz und ist meist undurchsichtig, kann jedoch bei dünnen Scheiben transparent sein.

Türkise sind jedoch eher selten von reiner, blaugrüner Farbe. Viel häufiger werden sie mit kleinen Flecken übersät oder mit braunen, grauen oder schwarzen, spinnenwebenartigen Adern durchsetzt gefunden, der sogenannten Matrix (entsprechend Türkis-Matrix oder Matrix-Türkis). Diese besteht entweder aus anderen Mineralen wie beispielsweise Pyrit oder aus Nebengestein wie Limonit und anderen.

Türkis ist ein typisches Sekundärmineral. Es bildet sich meist oberflächennah bei der Verwitterung kupferhaltiger aluminiumreicher Gesteine. Das Kupfer kann entweder aus Kupfersulfiden wie Chalkopyrit (Kupferkies) stammen oder aus Carbonaten wie Azurit und Malachit. Das Aluminium stammt meist aus Feldspäten. Das Phosphat wird über phosphathaltige Lösungen angeliefert oder stammt direkt aus im Gestein vorhandenen Phosphaten wie Apatit. Selten finden sich daher auch Türkis-Pseudomorhosen nach Feldspat, dem Kupfermineral Chrysokoll und Apatit.

Im allgemeinen aber lagert sich Türkis in den Hohlräumen und Spalten verwitternder magmatischer Gesteine ab, oft zusammen mit Limonit und anderen Eisenoxiden, gelegentlich auch mit Alunit. Wird das Muttergestein während der Entstehung des Türkis von Kieselsäure durchdrungen, sorgt dies im Mineral für eine natürliche Stabilisierung. Türkis ist fast immer kryptokristallin, massiv und nimmt keine regelmäßige Form an. Kristalle sind selbst auf mikroskopischer Ebene sehr selten. Auch stalaktitartige Formen wurden gefunden. Selten ersetzt Türkis sogar fossile Knochen und Zähne, die im Wesentlichen aus Apatit bestehen. Bei Odontolit (Fossilknochen oder Elfenbein) geht man bisher davon aus, dass es durch Türkis oder ähnliche Phosphatminerale, wie das Eisenphosphat Vivianit ersetzt wird.

Türkis wurde als eines der ersten Minerale bergmännisch abgebaut, aber von den alten Minen sind heute nur noch wenige in Betrieb. Sie werden saisonabhängig und in kleinem Umfang, oft ohne oder nur mit geringer, technischer Hilfe, betrieben, da Türkis relativ selten ist und tief in der Erde liegt. In großen Kupferminen, besonders in den USA, wird Türkis jedoch oft als Nebenprodukt entdeckt.

Iran

Bereits vor mehr als 2000 Jahren war das damalige Persien einer der wichtigsten Lieferanten für edlen Türkis. Dort finden sich auch bis heute immernoch die schönsten Exemplare. Die Lagerstätten begrenzen sich dabei auf das von Minen durchlöcherte Gebiet um den 2012 m hohen Ali-Mersai Berg. Er liegt 25 km von Maschhad entfernt, der Hauptstadt der Chorasan Provinz. Türkis wird dort in verwittertem Trachyt gefunden, sowohl zwischen Limonit- und Sandsteinschichten, als auch im Geröll am Fuß des Berges. Die Ali-Mersai Mine und die Sinai-Halbinsel sind die ältesten bekannten Lagerstätten. Iranischer Türkis ist oft als Ersatz für Feldspat im Gebrauch. Obwohl er meistens mit weißlichen Flecken versehen ist, zieht man ihn wegen seiner Farbe und Härte oft dem Türkis aus anderen Orten vor. Der Iran ist schon seit Jahrhunderten eines der Hauptabbau- und Handelsgebiete und von hier aus kam wahrscheinlich auch der erste Türkis nach Europa.

Sinai-Halbinsel

Die alten Ägypter bauten Türkis bereits seit Vordynastischer Zeit (etwa 5500 v. Chr.) ab. Dokumentiert ist in diesem Zusammenhang unter anderem der Abbau in der „Maghara Wadi Mine“ auf der Sinai-Halbinsel etwa 3200 v. Chr.. Von den einheimischen Monitu wird das Gebiet deshalb als „Land des Türkis“ bezeichnet.

Es gibt sechs Minen in der Region, die sich allesamt im Südwesten der Halbinsel befinden und dort eine Fläche von 650 km2 einnehmen. Aus historischer Sicht sind Serabit el-Chadim und Wadi Maghareh die zwei wichtigsten Minen, da sie als eine der ältesten bekannten angesehen werden. Wadi Maghareh liegt ungefähr 4 km von einem antiken Tempel entfernt, welcher der Göttin Hathor gewidmet war.

Mittlerweile gelten die Minen auf der Sinai-Halbinsel als erschöpft und haben keine wirtschaftliche Bedeutung mehr. Sie sind jedoch nach wie vor von historischem Wert. Lediglich Beduinen besuchen ab und an die alten Lagerstätten und bauen dort Türkis mittels selbst hergestelltem Schießpulvers ab. Der Abbau ist auch nicht ganz ungefährlich, da in den Wintermonaten die Bergarbeiter von Sturzfluten überrascht werden können. Eine weitere Gefahr bildet der plötzliche Einsturz der Sandsteinminen, die oftmals nur provisorisch gestützt sind.

Türkis wird auf der Sinaihalbinsel im Sandstein gefunden, der ursprünglich mit Basalt überzogen war. Er ist normalerweise grüner als iranischer Türkis, aber auch härter und weniger brüchig. Dieses Mineral, das oft als ägyptischer Türkis bezeichnet wird, ist das lichtdurchlässigste von allen. Unter dem Mikroskop kann man in der Oberflächenstruktur viele kleine dunkelblaue Scheiben sehen; ein Phänomen, das man nur beim Sinaitürkis beobachten kann. In der Nähe von Eilat (Israel) kann man auch noch das Eilat-Gestein finden. Es ist eine Mischung aus Türkis, Malachit und Chrysokoll und wird oft als Israels Nationalgestein bezeichnet. Regionale Künstler, die Eilat weiter verarbeiten, verwenden es oft, um es an Touristen weiter zu verkaufen.

USA

Der Südwesten der USA ist eine wichtige Quelle für den Türkis. Hauptlagerstätten sind oder waren dabei Arizona, Kalifornien (San Bernardino, Imperial und Inyo), Colorado (Countys Conejos, El Paso, Lake und Saguache), New Mexico (Countys Eddy, Grant, Otero und Santa Fe) sowie Nevada. Die Lagerstätten Kaliforniens und New Mexicos wurden dabei schon vor Kolumbus von den Ureinwohnern Amerikas mit Steinwerkzeugen bearbeitet. Cerrillos (New Mexico) sei dabei als die älteste Mine erwähnt. Sie war vor 1920 sogar die größte Mine der USA und ist heute so gut wie erschöpft. Die Apache Canyon ist heute die einzige Mine, die noch genug Türkis abbaut, um am Markt konkurrieren zu können.

Türkis wird in den USA als Erzader oder Einlagerung vorgefunden, bisweilen auch in kleinen Nuggets. Nicht selten ist er auch ein Nebenprodukt des Kupferbergbaus. Er ist meistens von schlechter Qualität und nur selten ist wirklich gutes Material, das dem iranischen Türkis in Farbe und Härte standhalten kann, dabei. Der hohe Eisengehalt bewirkt eine eher grüne oder gelbe Farbe und hohe Brüchigkeit (Kalktürkis) schließt eine Weiterverarbeitung des unbehandelten Türkis in der Schmuckindustrie aus. Die wertvollsten Funde der USA werden in Arizona gemacht, wobei der wunderschöne Bisbee Blue ein gutes Beispiel für den natürlichen Reichtum des Bundesstaates ist. Nevada ist der zweitgrößte Türkisproduzent der USA. Im Laufe der Zeit wurden hier etwas 75 bis 100 Minen erschlossen. Nevada-Türkis ist für seine „Spinnweben-Matrix“ bekannt, verursacht durch eine attraktive braune oder schwarze Limonitstreifung.

1912 wurde der erste Einzelkristall-Türkis in Lynch Station (Virginia) gefunden. Die Kristalle, die sich über dem Mutterstein bilden, sind so klein, dass ein Umfang von einem Millimeter Durchmesser schon als groß gilt. Bis 1980 wurde weithin angenommen, dass es diese Kristalle nur in Virginia gibt, aber heutzutage sind mindestens 27 weitere Fundorte bekannt. Dieser Türkis ist bei Sammlern sehr begehrt.

Um den Profit zu erhöhen und der Nachfrage entgegenzukommen, wird Türkis in den USA meistens nachbehandelt oder bis zu einem bestimmten Grad verbessert. Die Behandlungsmethoden reichen dabei von unschädlichem Wachsen bis hin zu kontroverseren Methoden wie Färben oder Imprägnieren.

Andere Fundorte

Seit über 3000 Jahren gilt China als eine der kleineren Türkisquellen. In den Provinzen Hubei (Zhushan) und Yunnan (Yunxian) wird in brüchigem, verkieseltem Kalkstein qualitativ hochwertiges Material, meistens in Form kompakter Nadeln, gefunden. Marco Polo berichtete darüber hinaus von Funden im heutigen Sichuan. Türkis wird in China meistens exportiert. Manchmal findet man aber auch Türkis–Schnitzereien, die den Jade-Schnitzereien sehr ähnlich sehen.

In Tibet, wo man den grünen Türkis schon lange schätzt, gibt es angeblich auch hochwertige Lagerstätten in den Bergregionen um Derge und Nagari-Khorsum. Die Existenz dieser Lagerstätten wird von einigen Experten aus Mangel an Beweisen angezweifelt.

Weitere Türkislagerstätten befinden sich in Afghanistan, Australien (Victoria und Queensland), Nordchile (Chuquicamata), Cornwall (Großbritannien), Sachsen, Schlesien (Polen) und Turkestan.

Verwendung


Türkis ist ein traditioneller Schmuck- und Heilstein. Aufgrund der häufigen Fälschungen (99%) ist es jedoch ratsam, kein türkisfarbenen Stein zu erwerben, die gleichzeitig zu schön und zu günstig sind!

Türkis zählt zu den ältesten Schmucksteinen und hat mit seinen zarten Pastelltönen schon seit dem Altertum viele Völker in seinen Bann gezogen. Er schmückte die Herrscher des antiken Ägypten, der Azteken (und wahrscheinlich auch der vor-kolumbianischen Mesoamerikaner), der Perser und Mesopotamier, sowie Adlige im Indus und teilweise auch im antiken China seit der letzten Shang-Dynastie. Türkis gelangte mit den Händlern der Seidenstraße das erste Mal nach Europa. Zur Biedermeierzeit waren besonders die himmelblauen Farbvariationen sehr beliebt.

In der Schmuckindustrie wird er aber erst seit dem 14. Jahrhundert verarbeitet, da dieser Zeitpunkt den damaligen Machtverfall der Katholischen Kirche markiert, die ihn bis dahin für kirchlichen Schmuck benutzte. In Indien war er bis zur Zeit der Mogule und in Japan bis zum 18. Jahrhundert unbekannt. Türkis wurde von vielen dieser Völker prophylaktische Fähigkeiten nachgesagt. So soll er angeblich je nach Gesundheitsstand des Trägers seine Farbe ändern und vor bösen Mächten beschützen.

Heutzutage findet man Türkis im Westen meistens „en cabochon“ in Silberringen, Armbändern, die im indianischen Stil gefertigt wurden oder als grob gefertigte Perlen in Halsketten. In geringerem Maße wird Türkis auch bei den Zuni für Schnitzereien im Fetischismus benutzt. Tiefblaue Töne werden nach wie vor als wertvoll angesehen, jedoch sind grünstichige oder gelbe Stücke bei Künstlern sehr beliebt. In der westlichen Kultur ist der Türkis der traditionelle Geburtsstein für all diejenigen, die im Monat Dezember geboren wurden.

Ägypten

Durch Grabbeigaben ist belegt, dass die alten Ägypter Türkis bereits seit Vordynastischer Zeit (etwa 5500 v. Chr.) als Schmuckstein verwendeten. Die berühmtesten Stücke dürften allerdings aus Tutanchamuns Grab stammen. Besonders die Totenmaske des Pharaos, großzügig mit Türkis verziert, ist allgemein bekannt. Die ägyptischen Goldschmiede verwendeten ihn auch bei Ringen, üppigen Halsketten und Pektoralen. Türkis ist in goldenen Flechterein ebenso zu finden wie als Material für Amulett-Schnitzereien (Skarabäus), die man des Weiteren mit Karneol, Lapislazuli und später auch mit gefärbtem Glas verzierte. Türkis war der Edelstein der ägyptischen Göttin Hathor und war bei den antiken Ägyptern so begehrt, dass er als einer der ersten Edelsteine imitiert wurde. Zur Herstellung dieses helleren Stoffes glasiert man das Keramikprodukt Fayence. Eine ähnlich blaue „Keramik“ aus der Bronzezeit ist in einer Grabstelle auf den Britischen Inseln entdeckt worden.

Die Franzosen unternahmen in Ägypten archäologische Ausgrabungen von der Mitte des 19. bis in das frühe 20. Jahrhundert. Diese Ausgrabungen, zu denen auch die Grabkammer Tutanchamuns gehört, weckten großes Interesse in der westlichen Welt und beeinflussten dadurch den Schmuck, die Architektur und die Kunst der Zeit. Türkis, der wegen seiner Farbgebung bereits seit 1810 begehrt war, wurde zum Markenzeichen der Egyptian Revival Stücke.

Persien

In Persien war Türkis seit Jahrtausenden der Nationaledelstein. Er wurde zur Dekoration verschiedenster Alltagsobjekte (Turbane), Moscheen und anderer wichtiger Gebäude wie der Madrassa-I Schah Hussein Moschee in Isfahan eingesetzt. Während des Mogul Kaisertums kam der persische Stil und Gebrauch von Türkis auch nach Indien, wo man ihn in edlem Goldschmuck (zusammen mit Rubinen und Diamanten) und Gebäuden wie dem Taj Mahal bewundern kann. Persischer Türkis wurde oft mit arabischer Schrift graviert und dann mit Gold verziert.

Azteken und andere amerikanische Kulturen

Die Azteken gestalteten mit Türkis, aber auch Gold, Quarz, Malachit, Gagat, Jade, Korallen und Muscheln abschreckende, und wahrscheinlich rituelle, mit Mosaik verzierte Objekte, wie beispielsweise Masken, Messer und Schilde. Als Untergrund für ein Mosaik konnten Holz, Knochen und Muscheln und als Kleber Harze, Bitumen sowie Wachs dienen.

Neben den Azteken schätzten auch die Pueblo, Diné und Apachen den Türkis als Schmuckstein. Sie benutzten ihn für Amulette und die Apachen sagten ihnen unterstützende Kräfte beim Bogenschiessen nach. Türkis wurde von diesen Völkern auch noch bei der Verzierung von Skulpturen, ringförmiger Perlen und Anhängern benutzt. Die Anasazi des Chaco Canyon und seiner angrenzenden Gebiete sollen durch Türkishandel sehr reich geworden sein. Der einzigartige Silberschmuck der Navajo und anderer südwestamerikanischer Indianerstämme ist jedoch eine eher neuzeitliche Erscheinung und wird den europäischen Einflüssen des 19. Jahrhunderts zugeschrieben.

Schamanismus und Esoterik

Bereits bei den Azteken, Inkas, Navajo, Moche und Zuñi galt der Türkis als mächtiger Schutz- und Heilstein, der Glück bei der Jagd bringen oder vor Schaden und Krankheiten bewahren sollte. Den alten indianischen Kulturen war er ebenso heilig wie den Tibetern und auch in Griechenland, Ägypten und Persien sagte man ihm starke Schutzeigenschaften nach, Verstorbene erhielten ihn in Schmuck- und Amulettform als Grabbeigabe.

In der modernen Esoterik wird Türkis als Heilstein für verschiedene Leiden eingesetzt, meist in Kombination mit anderen. Er soll beispielsweise bei entzündlichen Erkrankungen helfen, wenn er am Körper (Halskette oder Armband) getragen oder das Wasser, in dem ein Türkis lag, getrunken wird. Verschiedene Astrologen ordnen den Türkis dem Merkur (nach Raphael), der Venus (nach Ahlborn), dem Jupiter (nach Richardson und Huett) oder auch dem Uranus (nach Uyldert) zu.

Fälschung und Imitationen


Die Ägypter scheinen als erste in der Lage gewesen zu sein, mittels des glasierten Tonprodukts Fayence künstlichen Türkis herzustellen. Später wurden auch Glas und Emaille benutzt und in der modernen Zeit entstanden anspruchsvollere Keramikprodukte, Porzellan, Kunststoff und andere rekonstruierte, gepresste, geklebte und gebrannte Rohstoffe zur Herstellung von künstlichem Türkis. Letztere bestehen aus verschiedenen Kupfer- und Aluminiumkomponenten.

Beispiele wären „Viennese turquoise“ (Wiener Türkis), hergestellt aus ausgefälltem Aluminiumphosphat und eingefärbt mit Kupferoleaten, sowie „Neolith“ (Reese-Türkis), eine Mischung aus Bayerit und Kupferphosphaten. Beide Produkte weisen erhebliche Unterschiede zum Original hinsichtlich physischer und chemischer Eigenschaften auf. Eine weitere Türkis-Imitation ist unter dem Namen „Neotürkis“ bekannt und wird unter Verwendung von Gibbsit und Kupferphosphat hergestellt.

1972 gelang es Pierre Gilson, so etwas wie synthetischen Türkis herzustellen. Durch den verwendeten Kleber unterscheidet er sich jedoch in seiner chemischen Zusammensetzung, also sollte man ihn besser als Imitation und nicht als synthetisch bezeichnen. Gilsons Türkis gibt es einmal in einheitlicher Färbung und mit der schwarzen „Spinnweben“-Matrix, die dem Türkis aus Nevada nicht unähnlich ist.

Aufgrund der weiten Verbreitung von künstlich behandeltem, imitiertem bzw. synthetisch hergestelltem Material ist die Popularität des Türkises in neuerer Zeit beeinträchtigt. Selbst Experten können solche Stücke häufig nicht von echten natürlichen Steinen unterscheiden.

All diese Fälschungen können von Gemmologen mittels zahlreicher Tests entlarvt werden, wobei diese sich stark auf eine gründliche Untersuchung der Oberflächenstruktur unter dem Mikroskop stützen, bei welcher der Stein nicht zerstört werden darf. Natürlicher Türkis weist einen hellblauen Untergrund auf, der mit weißen Flecken oder Punkten versehen ist. Die künstlich hergestellten Steine hingegen sind hinsichtlich Farbe (normalerweise ein durchgehendes dunkelblau) und Oberflächenbeschaffenheit (granular ähnlich Zucker) grundverschieden. Glas und Kunststoffe sind lichtdurchlässiger, manchmal mit Blasen oder kleinen Streifen unter der Oberfläche. Flecken zwischen dem korngrenznahen Bereich sind in gefärbten Imitaten sichtbar.

In einigen Fällen wird der Stein jedoch zerstört. Verdünnte Salzsäure löst die Carbonate Odontolit und Magnesit unter Bläschenbildung auf und Howlith verfärbt sich grün. Eine Erhitzung des Steins erzeugt bei Produkten aus Kunststoff einen stechenden Geruch. Original und Fälschung können auch bezüglich ihrer Dichte, Brechzahl, Lichtabsorption (siehe Absorptionsspektrum von Türkis) und anderen physischen und optischen Eigenschaften voneinander unterschieden werden. Künstlicher Türkis tritt heute so häufig auf, dass er dem natürlichen Türkis mengenmäßig schon längst überlegen ist. Inzwischen kann man davon ausgehen, dass über 90 % der verkauften Türkise in irgendeiner Form behandelt, rekonstruiert oder imitiert sind . Sogar in „authentischem“ indianischem und tibetischem Schmuck findet man oft nur künstlichen oder im besten Fall stark behandelten Türkis.

Literatur


Weblinks